Durchführung von Kursen zur Aus- und Fortbildung während der COVID-19-Pandemie

AutorInnen: Jens Schwindt, Lucas Pflanzl-Knizacek, Franz Josef Nierscher, Peter Hoffmann, Eva-Maria Singraber, Francesco Cardona, Gudrun Burda, Markus Köstenberger, Alexander Egger, Joachim Schlieber, Michael Baubin

Vorwort

Die COVID-19-Pandemie hat in den letzten Monaten das gesamte öffentliche Leben weltweit beherrscht. Nach einer Phase zunächst sinkender bzw. stabiler Fallzahlen sind die Infektionszahlen, mit dem Ende des Sommers nun, wie erwartet, auch in Österreich wieder
dramatisch angestiegen. Österreich befindet sich mit 17. November 2020 nun wieder in einem harten Lockdown, um die Infektionsausbreitung und die damit verbundenen Schäden zu reduzieren. Weiterhin gilt es als oberstes Ziel eine Überlastung des medizinischen Systems
zu verhindern. Bei sich täglich mehr füllenden Intensivbetten, müssen alle notwendigen Maßnahmen ergriffen werden, um eine Triage-Situation mit allen Mitteln vermeiden zu können. Es ist zu befürchten, dass uns schwierige Wochen und Monate bevorstehen, bis die Fallzahlen
im Frühjahr wahrscheinlich wieder signifikant sinken werden. Dabei ist es derzeit nicht absehbar welche Herausforderungen in den Herbst - und Wintermonaten noch auf uns als Gesellschaft und das Gesundheitssystem im Besonderen zukommen werden und mit welchen
Einschränkungen des gesellschaftlichen Lebens wir in den nächsten Wochen und Monaten noch rechnen müssen. Die Verunsicherung vor allem über die Verhältnismäßigkeit von Maßnahmen gegen die Infektionsausbreitung ist allerorts spürbar und verständlich.

Sars-CoV-2 hat damit in den letzten Monaten seinen Schrecken in keiner Weise verloren, auch wenn wir ein Stück weit gelernt haben, mit dem Virus umzugehen und welche Maßnahmen vor allem auch jede/r einzelne treffen kann, um eine Ausbreitung des Virus zu reduzieren. Wir
haben allerdings darüber hinaus auch gelernt, dass trotz aller notwendigen Maßnahmen zur Infektionseindämmung, Gefahrenabwehr und Vorbereitung des Gesundheitssystems auf große Zahlen von COVID-19- (Intensiv-) Patienten durchaus zu Kollateralschäden kommt. Da
COVID-19 von Bevölkerung und auch Politik in den letzten Monaten als herausragende und teilweise scheinbar einzige Gefahr für die Gesundheit wahrgenommen wurde, wurden notwendige Arztbesuche und Untersuchungen und Operationen von Patienten selbst nicht
wahrgenommen oder andererseits von den Kliniken verschoben. Derzeit häufen sich Berichte u.a. von spät diagnostizierten lebensbedrohlichen Erkrankungen und darüber hinaus einer Zunahme von psychischen Erkrankungen als mögliche Folge von Kontaktbeschränkungen und Ängsten im Zusammenhang mit den Maßnahmen zur Pandemieeindämmung.

Welche Kollateralschäden eine Einstellung von Reanimationstrainings über Monate letztlich bedeutet, kann derzeit noch nicht abgeschätzt werden. Es stellt darüber hinaus ein ethischmoralisches Dilemma dar, dass die notwendigen Maßnahmen zur Infektionseindämmung auf der einen Seite besonders vulnerable Bevölkerungsgruppen schützen (Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen), während gleichzeitig auf der anderen Seite ganze Bevölkerungsgruppen - die darüber hinaus z.T. insgesamt wenig von schweren Verläufen von COVID-19 betroffen sind, wie z.B. Kinder und Neugeborene - durch den Ausfall von Reanimationstrainings potentiell geschädigt werden.

Da das PatientInnenoutcome wesentlich vom Training von Reanimationsmaßnahmen im interdisziplinären Team an einem Patientensimulator abhängt, hat das Austrian Resuscitation Council daher bereits im Juni 2020 wieder auf eine umgehende Aufnahme der Trainingsaktivitäten gedrängt. Das ARC ist weiterhin davon überzeugt, dass Reanimationskurse auch während einer Pandemie ein essentieller Bestandteil der Aus- und Weiterbildung von medizinischem Personal sein müssen, um die Überlebenswahrscheinlichkeit von lebensbedrohten Patienten zu erhöhen und die Lebensqualität nach einer lebensbedrohlichen Erkrankung signifikant zu verbessern. Wir müssen daher jetzt eine Diskussion beginnen, welchen Stellenwert Training und Ausbildung von medizinischem Personal in der Versorgung von kritisch kranken Patienten im Verhältnis
zum klinischen Arbeiten am Patienten derzeit hat und in Zukunft haben soll. Auch nach dem Ende der Pandemie müssen wir diese Diskussion intensiv fortführen.

Für das ARC haben Training und medizinische Versorgung ausdrücklich den gleichen Stellenwert.

In der aktuellen Phase ist jedoch eine verantwortungsvolle Anpassung der Empfehlungen des ARC vom Juni 2020 zur Durchführung von Reanimationskursen während der Pandemie notwendig. Auch wenn nach Ansicht des ARC Reanimationskurse unter „Zusammenkünfte zu unbedingt erforderlichen beruflichen Aus- und Fortbildungszwecken“ fallen und damit als auch im Lockdown zulässige Veranstaltungen einzustufen sind, hat sich das ARC dafür entschieden, zu empfehlen, die Durchführung von offenen Reanimationskursen bis auf weiteres zu pausieren. Diese Empfehlung beruht ausdrücklich nicht auf der Tatsache, dass das ARC nicht davon überzeugt wäre, dass sich auch weiterhin Kurse sicher durchführen lassen, sondern beruht v.a. auf der Tatsache, dass KursteilnehmerInnnen und TrainerInnen, in der aktuellen Phase der Pandemie, die Teilnahme an externen Fortbildungen vonzahlreichen Dienstgebern grundsätzlich untersagt wird. Für die Kursorganisatoren besteht daher derzeit keine Planungssicherheit für die Durchführung von offenen Kursen.

Im Gegensatz dazu empfiehlt das ARC In-house-Kurse nach Möglichkeit weiterhin durchzuführen. Das ARC ist davon überzeugt, dass sich insbesondere diese Kurse auch während der Pandemie, unter Einhaltung strenger Hygienemaßnahmen, weiterhin sicher durchführen lassen. Darüber hinaus empfiehlt das ARC auch dringend hausinterne Reanimationsveranstaltungen auch in dieser Phase der Pandemie weiter durchzuführen, solange es die aktuelle Situation in den Kliniken erlaubt.

Das ARC wird die Pandemieaktivität und die damit verbundenen gültigen Schutzmaßnahmen bgegen die Verbreitung von COVID-19 tagesaktuell beobachten und die in diesem Dokument ausgesprochenen Empfehlung auch kurzfristig aktualisieren. Das Ziel muss die umgehende Wiederaufnahme aller Kursaktivitäten sein, sobald die epidemiologische Situation dies erlaubt. Die Kurse des ARC werden dabei der aktuellen Pandemieaktivität Rechnung tragen und Kursbestandteile, die nicht das Training im Team betreffen, in den Online-Bereich verlegen, um zumindest die Kursbestandteile, die das praktische Training im Team erfordern, auch in
offenen Kursen umgehend wieder anbieten zu können.

Der Verlauf der COVID-19-Pandemie wird von vielen einzelnen Faktoren beeinflusst und die Pandemie stellt weiterhin eine überwältigende Herausforderung für die gesamte Weltbevölkerung dar. Auch wenn wir das Gefühl haben, kaum Kontrolle über den Verlauf der Pandemie zu haben, haben wir es doch alle durch unser persönliches Verhalten in der Hand, die Ausbreitung von SARS-CoV-2 einzudämmen, um die zur Pandemieeindämmung notwendigen Maßnahmen, die unseren täglichen Alltag und unser professionelles Arbeiten derzeit massiv beeinträchtigen, wieder reduzieren zu können.

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Gesetzliche Grundlagen zur Durchführung von Aus- und Fortbildungsveranstaltungen

Grundsätzlich sind die jeweils aktuellen gesetzlichen Bestimmungen der Republik Österreich auf Basis des COVID-19-Maßnahmengesetzes zur Bekämpfung der Verbreitung von COVID19 einzuhalten.

Die untenstehenden Empfehlungen berücksichtigen die 479. Verordnung des Bundesministers für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, mit der besondere Schutzmaßnahmen gegen die Verbreitung von COVID-19 getroffen werden (COVID-19-  Schutzmaßnahmenverordnung – COVID-19-SchuMaV) in der Fassung vom 15.11.2020.

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Auf Basis dieser Verordnung wurden die  Empfehlungen der am 24.4.2020 vom European Resuscitation Council (ERC) veröffentlichen Leitlinien zu COVID-19 (www.erc.ecu/covid) Leitlinien, auf Grundlage eines Consensus on Science, Treatment Recommendations and Task Force Insights [4], für Österreich bezüglich der Durchführung von Reanimationskursen adaptiert und dieses Dokument entsprechend dem aktuellen Stand der Empfehlungen verfasst.

Bei einer Änderung der Pandemiesituation und/oder Änderung offizieller Anordnungen oder Empfehlungen zur Eindämmung der Infektionsausbreitung wird das Dokument durch den ARC aktualisiert.

Unter http://www.wiederbelebung.at/covid findet sich jeweils die aktuelle Version dieses Dokuments und die damit verbundenen Empfehlungen.

Allgemeiner Teil

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Spezieller Teil

Entsprechend der aktuellen pandemischen Situation sollen die im allgemeinen Teil beschriebenen Maßnahmen zur Infektionsprophylaxe in allen Kursformaten vor, während und nach dem Kurs umgesetzt werden.

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Literatur

[1] Couper, K., Taylor-Phillips, S., Grove, A., Freeman, K., Osokogu, O., Court, R., Mehrabian, A., Morley, P.T., Nolan, J.P., Soar, J. and Perkins, G.D., 2020. COVID-19 in cardiac arrest and infection risk to rescuers: a systematic review. Resuscitation.resuscitation.2020.04.022

[2] https://www.erc.edu/covid

[3] https://www.ris.bka.gv.at/eli/bgbl/II/2020/479

[4] Perkins, G.D., Morley, P.T., Nolan, J.P., Soar, J., Berg, K., Olasveengen, T., Wyckoff, M., Greif, R., Singletary, N., Castren, M. and de Caen, A., 2020. International Liaison Committee on Resuscitation: COVID-19 consensus on science, treatment recommendations and task force insights. Resuscitation.

[5]https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=20011167

[6] Yeung, J.H., Ong, G.J., Davies, R.P., Gao, F. and Perkins, G.D., 2012. Factors affecting team leadership skills and their relationship with quality of cardiopulmonary resuscitation. Critical care medicine, 40(9), pp.2617-2621.

[7] Monsieurs, K.G., Nolan, J.P., Bossaert, L.L., Greif, R., Maconochie, I.K., Nikolaou, N.I., Perkins, G.D., Soar, J., Truhlar, A., Wyllie, J. and Zideman, D.A., 2015. European resuscitation council guidelines for resuscitation 2015 section 1. Executive summary. Resuscitation, 95, pp.1-80.

[8]https://www.bfarm.de/SharedDocs/Risikoinformationen/Medizinprodukte/DE/schutzmasken.html

[9] https://www.sozialministerium.at/Informationen-zum-Coronavirus/Coronavirus---Fachinformationen.html/ Behördliche Vorgangsweise bei SARS-CoV-2 Kontaktpersonen: Kontaktpersonennachverfolgung (PDF, 239 KB)(04.11.2020)

[10] https://www.sozialministerium.at/public.html